Eiscamp Barneo

Steckbrief

Steckbrief
Offizieller Name:
Barneo
Oberhoheit:
Russland
Verwaltung:
Barneo NLC
Sprachen:
Russisch, Englisch
Währung:
Russische Rubel, US-Dollar
Zeitzone:
Moskau

Das Eiscamp Barneo liegt nicht auf festem Untergrund, sondern wird auf arktischem Meereis errichtet. Denn der geographische Nordpol liegt mitten im Arktischen Ozean. Zwischen dem Meeresboden und dem Untergrund, auf dem man im Camp und am Nordpol steht, liegen mehr als 4'000 Meter Wasser und eine 2 – 3 Meter dicke Eisschicht. Presseisrücken bilden die höchsten Erhebungen in der ansonsten flachen arktischen Landschaft auf dem Meereis, auch am Nordpol. Die Eisschollen sind permanent in Bewegung durch die Meeresströmungen unter ihnen. Daher verändert sich die Gegend kontinuierlich. 

Die klimatischen Bedingungen am Nordpol und in der zentralen Arktis sind komplexer als gedacht und werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Zum einen durch die Tageslänge. Die Sonne geht am Nordpol einmal im Jahr, am 21. März auf und bis zum 23. September nicht mehr unter. Dies nennt man Polartag. Danach folgen ein langsamer Sonnenuntergang und mehrwöchige Dämmerung, gefolgt von mehreren Monaten Polarnacht. Ab März folgen wieder mehrwöchige Morgendämmerungen bis am 21. März die Sonne abermals aufgeht. Dieser Zyklus bestimmt den Temperaturverlauf. Die Temperaturen gehen von rund 0°C bis auf -35°C, können aber auch manchmal Plusgrade erreichen. Da jedoch keine Messstationen direkt am Pol stehen, werden Satellitenmessungen und Stationen auf Grönland und Russland verwendet und die Angaben beruhen daher auf Berechnungen. 

Die globale Erwärmung hat auch den Nordpol nicht verschont. In den vergangenen Jahren sind die Temperaturen merklich gestiegen, sowohl in der Luft wie auch im Wasser. Dadurch wurde das arktische Meereis immer dünner, die Eisschollen instabiler. Auch das Wetter hat sich verändert und Stürme haben zugenommen, sowohl an Intensität wie auch an Häufigkeit. Niederschläge sind generell seltener am Nordpol aufgrund der kalten Luftmassen. Wenn aber grosse offene Wasserflächen entstehen, steigt der Feuchtigkeitsgehalt in der Luft, Nebel bildet sich.

Das Eiscamp Barneo wird seit 2002 im Geist der sowjetischen Driftstationen auf dem Eis jedes Jahr neu errichtet. Denn seit 1937 hatten sowjetische Forscher im Auftrag Moskaus jedes Jahr ein wissenschaftliches Camp rund 100 Kilometer vom Nordpol entfernt auf dem Meereis aufgebaut. Das erste Camp, Nordpol-1 unter Iwan Papanin, trieb während neun Monaten auf dem arktischen Ozean. Das Ziel war nicht die Eroberung des geografischen Pols, der schon Jahre zuvor von Robert Peary erreicht worden sein soll (glaubte man damals zumindest). Vielmehr ging es um ozeanographische, meteorologische und andere Daten, die das Verständnis für die Arktis erweitern sollten. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion mottete man die Driftstationen auch ein, bis im April 2002 Alexander Orlov, bekannter russischer Unternehmer, das Eiscamp Barneo wieder ins Leben rief. Er mischte Wissenschaft mit Tourismus und liess jedes Jahr mit Flugzeugen Personal, Zelte, Heizungen und andere Materialien über dem Eis abwerfen, die danach das Eiscamp errichteten. Von hier aus war für Abenteurer ein Monat lang der Weg zum Nordpol weniger beschwerlich als sonst. 

Eiscamp Barneo liegt mitten auf dem arktischen Meereis, einem sich ständig verändernden Untergrund. Daher können auch keine permanenten Strukturen errichtet werden und das Camp wird jedes Jahr neu auf- und später wieder abgebaut. Dies ist eine logistische Herausforderung und hängt von vielen Faktoren ab.

Das Herzstück ist eine rund 2 Kilometer lange Landepiste für die Flugzeuge vom Typ Antonov AN-74. Dieser Flugzeugtyp wurde in der Sowjetunion für extreme polare Bedingungen konzipiert und laufend weiterentwickelt. Mit den Flügen ab Longyearbyen und Khatanga (Russland) werden sowohl Passagiere wie auch Fracht transportiert. 

Von Barneo aus sind Flüge mit einem Mi-8-Hubschrauber in Richtung Nordpol geplant. Dieses russische Arbeitspferd gehört zu den vielfältigsten und robustesten Fluggeräten, die je entwickelt worden sind. An Bord ist zwar kein Komfort zu erwarten, doch man befindet sich ja auch auf Abenteuerreise. 

Das Camp Barneo selbst besteht aus speziell entwickelten Zelten, 6 für Gäste (8 – 10 Gäste pro Zelt), Aufenthalts- und Esszelt und einem Kochzelt. Alle Zelte sind selbstverständlich beheizt und mit einfachem Komfort ausgestattet. Duschen gibt es keine, Toiletten sind von den Zelten getrennt. Im Aufenthaltszelt sind auch die Mahlzeiten und Kaffee, Tee und Snacks (24 h) verfügbar. 

error: