Kamtschatka

Region Kamtschatka

Steckbrief

Steckbrief
Offizieller Name:
Kamtschatski Krai (Region Kamtschatka)
Oberhoheit:
Russland
Hauptort:
Petropawlowsk-Kamtschatski
Verwaltung:
Gouverneur, von Parlament gewählt
Sprachen:
Russisch
Bevölkerung:
313'016 Einwohner; Russen: 78.4%, Ukrainer: 3.6%, 2% Korjaken, andere: 16%
Bewohnte Orte:
Petropawlowsk-Kamtschatski, Jelisowo, Wiljutschinsk, Ust-Kamtschatsk, Korjaks, u.a.
Währung:
Russische Rubel
Zeitzone:
UTC +12

Die Region Kamtschatka im äußersten Osten Russlands ist landschaftlich eine der spektakulärsten der Erde. Sie umfasst die 1.250 Kilometer lange Halbinsel Kamtschatka, angrenzende Teile des Festlands, die Karaginsky-Insel sowie die Kommandeur-Inseln. Die Halbinsel wird im Osten vom Beringmeer und im Westen vom Ochotskischen Meer umspült. Beide Küsten haben jeweils eine Länge von rund 2.000 Kilometern. Kamtschatka ist Teil des Pazifischen Feuerrings und Gebirgszüge mit mehr als 160 Vulkanen, von denen etwa 29 noch aktiv sind, Fumarolen, Geysire, heiße Quellen prägen das Landschaftsbild. Der Kljutschewskoi-Vulkan oder Kljutschewskaja Sopka ist mit 4.750 Metern der höchste Vulkan Eurasiens. Etwa 14.000 Flüsse und Bäche und 100.000 Seen sichern die Versorgung mit Süßwasser. Die Fläche der Region Kamtschatka umfasst 464.275 Quadratkilometer. Etwa 30 Prozent der Landfläche sind nationale Schutzgebiete.

Das Klima in Kamtschatka ist generell milder als in den kontinentalen Regionen in Russlands Fernem Osten und es ist sehr heterogen — von subarktisch im Norden, über gemäßigt maritim mit Monsuncharakter an den Küsten bis hin zu kontinental im Landesinneren. Die Winter sind lang und schneereich mit durchschnittlichen Temperaturen im Januar/Februar zwischen -7°C im Süden und -24°C im Landesinneren und im Norden. Der Sommer ist kurz und normalerweise kühl und regnerisch. Die Durchschnittstemperaturen im Juli/August liegen zwischen +10°C im Westen und +16°C im zentralen Teil. Die Niederschlagsmenge variiert sehr stark von 300 Millimeter pro Jahr im äußersten Nordwesten bis zu 2500 Millimeter pro Jahr im Südosten.

Die dramatische Landschaft ist Heimat einer reichen Tierwelt. An Land leben 34 Säugetierarten, darunter Braunbären - eine der größten Populationen weltweit lebt hier -, Rentiere, Elche, Dickhornschafe, Polarwölfe und andere Raubtiere sowie verschiedene Nagetiere. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden für kommerzielle Zwecke kanadische Biber und Nerze eingeführt, Luchse und Eichhörnchen sind selbst von Norden her eingewandert. Vor den Küsten nutzen marine Säugetiere wie Blauwale, Buckelwale, Grönlandwale, Belugas, Stellersche Seelöwen und Meerotter das reichhaltige Nahrungsangebot der produktiven Meeresregionen. Besonders artenreich ist auch die Vogelwelt: Kamtschatka ist dank der vielen verschiedenen Lebensräume und des heterogenen Klimas ein regelrechtes Paradies für 284 Vogelarten. Viele von ihnen sind Durchzügler, die auf dem Weg in ihre Brutgebiete in der Arktis einen Zwischenstopp auf der Halbinsel einlegen. Highlights sind der extrem seltene Löffelstrandläufer und der Riesenseeadler. In und an den Flüssen und Bächen leben mehrere Süsswasserfischarten und einige Amphibien. Zudem verzeichnet Kamtschatka höchstwahrscheinlich die weltweit größte Vielfalt an Lachsen.
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Tierwelt, vor allem Zobel, Füchse, Meerotter, Seebären und Braunbären, durch die westliche Gier nach Pelzen massiv dezimiert, teils bis an den Rand der Ausrottung. Das erste Naturschutzgebiet Kronotski wurde 1934 eingerichtet. Viele Tiere wie Zobel, Vielfraß und Polarfuchs werden noch heute bejagt.

Das heterogene und variable Klima schafft verschiedene Vegetationszonen, die eine reiche Pflanzenwelt beherbergen - etwa 1.200 Arten von Gefäßpflanzen sind bekannt. Die dominierenden Zonen sind Tundra und Muskeg, eine Art Moor, gefolgt von Wäldern und Graslandschaften mit über drei Meter hohen Gräsern. Die Wälder werden vor allem von Ermans Birken gebildet, entlang der Flüsse wachsen Weiden, Pappeln, Espen und Erlen. Große Nadelbäume sind weniger häufig und eher im gebirgigen Inneren der Halbinsel zu finden. Eine Vielfalt an wilden Beerensträuchern wie Blaubeeren, Preiselbeeren, Moltebeeren, Johannisbeeren und Himbeeren belebt das Landschaftsbild und bereichert den Speiseplan der Wildtiere. Die Umgebung der zahlreichen heißen Quellen und Fumarolen bietet zudem Lebensraum für 40 seltene und gefährdete Pflanzenarten. Etwa ein Drittel der Halbinsel steht unter Naturschutz: es gibt drei Naturschutzgebiete, eines davon umfasst die Kommandeur-Inseln, fünf Naturparks, mehr als 30 Reservate und über 100 Naturdenkmäler.

Wie Tschukotka war auch die Region Kamtschatka schon im Jungpaläolithikum besiedelt. Die ältesten Funde gehen auf die frühe Uschkowski-Kultur zurück (vor ca. 15.000 Jahren). Später, 2.000 bis 1.000 Jahre vor unserer Zeit, ist die Tarja-Kultur in Zentral- und Südkamtschatka weit verbreitet. Als Ureinwohner Kamtschatkas gelten Ewenen und Korjaken, die ihren Lebensunterhalt durch Jagd und Rentierzucht sicherten, sowie Itelmenen, die hauptsächlich Fischfang betrieben. Als 1697 der Kosake Wladimir Atlasow im Auftrag des Russischen Reiches nach Kamtschatka kam, stellten Itelmenen den Großteil der Bevölkerung mit etwa 13.000 Menschen. Atlasow unterwarf die Indigenen auf grausame Weise und erzwang die Abgabe von Pelzen für das Russische Reich. Die stolzen Itelmenen wollten sich nicht erniedrigen lassen und blutige Machtkämpfe folgten. Erst ab 1731 wurden Kosaken bestraft, die Indigene misshandelten. Die erste Expedition nach Kamtschatka leitete Vitus Bering im Jahr 1725 im Auftrag des Zaren Peter der Große. Auf seiner zweiten Expedition 1740 erreichte Bering die Awatscha Bucht, wo er die heutige Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski gründete. Begleitet wurde er von Georg Wilhelm Steller, Arzt und Naturforscher, nach dem viele Tierarten in der Region benannt sind.
Der Einfluss der Russen und später der Drang der Sowjets nach Industrialisierung zerstörte weitgehend die traditionelle Lebensweise der indigenen Völker. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kamtschatka zur Militärregion und sowohl für Ausländer als auch für Russen selbst abgeriegelt. Seit 1990 ist die Halbinsel für Touristen zugänglich.

In der Region Kamtschatka leben etwa 313.000 Menschen und mit 0,67 Personen pro Quadratkilometer (2020) ist sie etwas dichter besiedelt als der Bezirk Tschukotka. Den größten Teil der Bevölkerung stellen Russen mit knapp 80 Prozent. Die restliche Bevölkerung setzt sich aus über 30 verschiedenen Nationalitäten und Ethnien zusammen, darunter Ukrainer, Weißrussen, Tschuwaschen, Baschkiren, Koreaner und Deutsche. Nur etwa 4,5 Prozent stammen von den ursprünglich hier lebenden Indigenen ab - die am stärksten vertretenen Urvölker sind Korjaken, Itelmenen, Ewenen, Kamtschadalen und Tschuktschen mit insgesamt knapp 14.000 Menschen (2010), die in den weit verstreuten Dörfern und Siedlungen wieder stärker ihre traditionelle Lebensweise pflegen. Sie gehen jagen, fischen, Pflanzen sammeln und nutzen im Winter Hundeschlitten als Fortbewegungsmittel. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung lebt jedoch in den Städten Petropawlowsk-Kamtschatski, Jelisowo und Wiljutschinsk. Die Verwaltung der Region Kamtschatka ist in administrativ-territoriale Einheiten eingeteilt: in die drei Stadtbezirke und elf Gemeindebezirke mit fünf städtischen und 47 ländlichen Siedlungen.

Kamtschatka kann am besten per Flugzeug erreicht werden, es gibt eine tägliche Verbindung über Moskau nach Petropawlowsk-Kamtschatksi. Viele Siedlungen sind über einen eigenen kleinen Flughafen angebunden. Anders als Tschukotka verfügt Kamtschatka über ein Netz teils asphaltierter Straßen im entwickelten südlichen Teil, das die Städte und manche Siedlungen miteinander verbindet. Viele der Straßen sind jedoch in schlechtem Zustand. Geländefahrzeuge sind daher nicht nur für touristische Ausflüge zu den Naturschönheiten das Verkehrsmittel der Wahl. Eine Straßenverbindung in den abgelegenen Norden gibt es nicht. Der größte und ganzjährig eisfreie Hafen befindet sich in Petropawlowsk-Kamtschatski, entlang der Küste gibt es weitere relevante Frachthäfen. Die wichtigsten Wirtschaftszweige der Region sind Fischerei, Landwirtschaft, Förderung von Erdgas, Kohle und Nichteisenmetallen, Energiegewinnung (Geothermie, Wasserkraft, Windkraft) und nicht zuletzt der Export von hochwertigen Pelzen. In Petropawlowsk-Kamtschatski, das nicht selten Ausgangs-/Zielort von Expeditionsreisen ist, findet man alles, was es auch in größeren westlichen Städten gibt: zwei Universitäten und mehrere Zweigstellen anderer russischer Hochschulen, Hotels, Krankenhäuser, Museen, Geschäfte und verschiedene Sehenswürdigkeiten.

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