Ochotskisches Meer

Ochotskisches Meer

Steckbrief

Steckbrief
Offizieller Name:
Ochotskoje Morje (Ochotskisches Meer)
Fläche:
1'583'000 Quadratkilometer
Mittlere Tiefe:
859 Meter
Maximale Tiefe:
3'372 Meter
Angrenzende Länder:
Russland, Japan
Einmündende Flüsse:
Amur, Ochota, Inja u.a.
Bewohnte Orte:
Magadan, Ochotsk, Ajan, Inja, Ewensk, Ocha, Tschumikan, Abashiri, Mombetsu u.a.
Zeitzone:
UTC +12

Das Ochotskische Meer, benannt nach der Stadt Ochotsk an der Nordwestküste, ist ein Randmeer im westlichen Pazifischen Ozean, das fast vollständig von russischem Territorium umschlossen ist. Es wird begrenzt von der Halbinsel Kamtschatka im Nordosten, den Kurilen im Südosten, Sachalin im Südwesten und Ostsibirien im Westen und Norden und Japans Insel Hokkaido im Süden. Mit Ausnahme des Seegebiets vor Hokkaido zählt das Ochotskische Meer zur Ausschließlichen Wirtschaftszone Russlands. Die Fläche beträgt 1,58 Millionen Quadratkilometer, die mittlere Tiefe liegt bei 859 Metern, wobei die Meerestiefe von rund 200 Metern im Norden auf maximal 3.372 Meter bei den Kurilen im Süden abfällt. Die einzige Insel auf dem offenen Meer ist die Jonas-Insel im nordwestlichen Teil. Im Tartarensund auf der Höhe des nördlichen Teils von Sachalin mündet der Amur ins Ochotskische Meer und trägt als bedeutendster Zufluss reichlich Nährstoffe ein. Der Süßwassereintrag durch den Amur und zahlreiche weitere Flüsse erhöht den Gefrierpunkt, weshalb im Winter mehr als die Hälfte der Meeresoberfläche für 6 - 7 Monate mit Eis bedeckt und häufig nur für Eisbrecher befahrbar ist.

Das Ochotskische Meer steht im Norden und Westen unter dem Einfluss kontinentalen Klimas und ist das kälteste Meeresgebiet Ostasiens. Die Bedingungen im Winter ähneln denen in der Arktis - von Oktober bis April sind die Lufttemperaturen sehr niedrig, das Meer ist durchgehend zugefroren und es gibt wenig Niederschlag. Die mittlere Lufttemperatur im Norden liegt im Februar bei -20°C, im August bei +12°C. Der Einfluss des Pazifiks wächst in Richtung Süden und Südosten und beschert diesem Teil des Meeres ein milderes Klima. Im Osten auf der nördlichsten Kurilen-Insel Sewero-Kurilsk beträgt die durchschnittliche Lufttemperatur im Februar -4°C, im August ebenfalls +12°C. Niederschläge gibt es im Südosten reichlich - im Durchschnitt fallen auf den gesamten Kurilen zwischen 1.000 und 1.300 Millimeter pro Jahr, ein großer Teil davon als Schnee.

Die zahlreichen Zuflüsse, intensive Durchmischung der Wassermassen dank der Meerengen und Winde sowie Auftrieb nährstoffreichen Tiefenwassers machen das Ochotskische Meer zu einem der biologisch produktivsten weltweit. Sobald das Eis im Sommer verschwunden ist, vermehren sich die Algen, woraufhin die Populationen von Krebsen, Muscheln, Seeigeln und verschiedenen Fischarten wie Hering, Lachs und Seelachs förmlich explodieren. Besonders hervorzuheben ist die Kamtschatka-Krabbe, die bis zu 17 Kilogramm schwer werden und eine Beinspannweite von 1,80 Meter erreichen kann. Sie gilt als Delikatesse und wird wie viele Fischarten stark befischt. Der Fischreichtum lockt neben mehreren Walarten, darunter Beluga-, Finn- und Blauwale, auch Bartrobben, Largharobben, Steller Seelöwen, Nördliche Seebären, Meerotter und andere marine Säugetiere an. Die Vogelwelt präsentiert sich außergewöhnlich artenreich mit Highlights wie dem Riesenseeadler, zahlreichen Seevögeln wie Papageitauchern, Lummen und Eissturmvögeln sowie verschiedenen Zugvögeln. An Land rund um das Ochotskische Meer leben Kamtschatka-Braunbären, Polarfüchse, Vielfraße, Schneeschafe und Murmeltiere.

Die Pflanzenwelt entlang der Küsten und auf den Inseln variiert entsprechend der klimatischen Verhältnisse. Nördlich und Nordwestlich des Ochotskischen Meeres herrscht Taiga- und Tundravegetation vor, der Permafrostboden reicht teilweise bis an die Küste heran. Im Westen und im Süden auf Sachalin finden sich ausgedehnte Wälder. Kamtschatka im Osten ist geprägt von Tundra-, Moor- und Graslandschaften und Laubwäldern. Auf den Kurilen im Südosten dominieren strauchförmige Laubbäume auf den nördlichen Inseln und Nadelwälder auf den südlichen. Hohe Gräser und verschiedene Beeren finden sich auf allen Kurileninseln.

Das Land rund um das Ochotskische Meer war in prähistorischen Zeiten von einer Vielzahl von Völkern besiedelt, darunter Nachfahren das japanischen Jōmon-Volkes, Niwchen, Ultschen, Ewenen, Itelmenen und Korjaken. Die ersten Europäer, die das Ochotskische Meer erreichten, waren wahrscheinlich die zwei russischen Entdecker Iwan Moskwitin und Wassili Pojarkow in den 1640er Jahren. Die erste russische Siedlung an der Pazifikküste war Ochotsk, das 1647 gegründet wurde. Nach dem Bau des Hafens in Ochotsk in 1714 wurde über die Jahre deutlich, wie ungeeignet der Standort für eine Siedlung ist. Die wirtschaftlichen und militärischen Aktivitäten wurden jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts weiter südlich nach Ayan und nach Petropawlowsk-Kamtschatski verlegt. Während Vitus Berings Zweiter Kamtschatka Expedition von 1733 bis 1743 wurde erstmals die gesamte Küste kartiert. Die wichtigste Stadt im Ochotskischen Meer ist heute noch Magadan, das 1929 zur Zeit Stalins als Transitzentrum für Zwangsarbeiter gegründet wurde.
Das produktive Meer erlangte auch unter Walfängern große Bedeutung. Amerikaner und Europäer wurden vor allem von den großen Populationen Nordpazifischer Glattwale und Grönlandwale angelockt, auf die sie von den späten 1830er Jahren bis 1909 Jagd machten.
Die sowjetische Pazifikflotte nutzte das Ochotskische Meer als Bastion für U-Boote mit ballistischen Raketen, eine Strategie, die Russland bis heute fortsetzt. Darüberhinaus war das Meer im Kalten Krieg  Schauplatz US-amerikanischer Spionageaktivitäten.

Wie in ganz Sibirien wird die Bevölkerung von Russen dominiert, doch indigene Völker leben nach wie vor an den Küsten rund um das Ochotskische Meer: Im Süden in der Amur-Region u.a. Ultschen und Niwchen, im Westen, südlich von Ochotsk hauptsächlich Ewenken, nordöstlich von Ochotsk bis in die Region um Magadan Ewenen und westlich der Penschina-Bucht leben in einem schmalen Küstenstreifen Aljutoren. Auf Kamtschatka setzt sich die indigene Bevölkerung aus Itelmenen, Korjaken, Tschuktschen, Kamtschadalen und anderen zusammen. Die Kurilen sind sehr ungleichmäßig besiedelt — nur vier der Inseln sind bewohnt und Heimat für etwa 20.000 Menschen, die vor allem dem Ainu-Volk angehören. Ainu leben auch auf Sachalin, neben Jakuten, Ewenken, Niwchen und Oroken. Die Bevölkerungszahl der Indigenen variiert von wenigen Tausend (Niwchen und Ultschen) bis zu mehreren Zehntausend bei den Ewenen und Ewenken.

Die kleinen Küstenstädte und Siedlungen rund um das Ochotskische Meer sind oft ausschließlich auf dem Luft- oder Seeweg zu erreichen. Einen bedeutenden Seehafen gibt es auf russischem Gebiet nur in Magadan, weitere sind in Japan auf Hokkaido in Abashiri, Monbetsu und Wakkanai. Flughäfen gibt es dagegen nicht nur in den Städten, sondern nahezu jede Siedlung verfügt über einen kleinen Flugplatz oder eine Start- und Landepiste, da es auch zwischen den Küstenstädten und -siedlungen nur selten eine Landverbindung gibt. Auf Sachalin verfügt über ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz. Magadan als die größte Stadt am Ochotskischen Meer und bietet eine ähnliche Infrastruktur wie westliche Städte mit Hotels, Restaurants, einer Universität, Geschäften, Krankenhäusern sowie Museen und Sehenswürdigkeiten, weshalb touristische Expeditionsreisen häufig dort starten und enden. Die Wirtschaft beruht vor allem auf Fischerei und Bodenschätzen: das Meer umgebende Land ist reich an Kohle und Gold; der Meeresboden beherbergt große Vorkommen an Öl und Gas, vor allem im Norden Sachalins.

error: