Spitzbergen

Svalbard

Steckbrief

Steckbrief
Offizieller Name:
Svalbard
Oberhoheit:
Norwegen, seit 1920
Hauptort:
Longyearbyen
Verwaltung:
Gouverneur, Sysselmannen
Sprachen:
Norwegisch, Englisch
Bevölkerung:
2'939 Einwohner; Norweger: 56.9%, 43.1% andere
Bewohnte Orte:
Longyearbyen, Ny Ålesund, Barentsburg (russisch), Pyramiden (russisch)
Währung:
Norwegische Kronen
Zeitzone:
UTC +1 (plus Sommerzeit)

Svalbard ist ein Archipel aus 5 Haupt-, über 400 Nebeninseln und Schären, die zwischen dem 74. und 81. nördlichen Breitengrad und dem 10. und 35. östlichen Breitengrad liegen. Damit umfasst das Land eine Fläche von 61'022 km2. Knapp 60 Prozent der Inseln sind vergletschert, 30 Prozent reiner Fels und nur 10 Prozent sind Vegetation. Der grösste Teil der Inseln sind gebirgig und der höchste Punkt ist der Newtontoppen mit 1'717 Meter. Die grössten Inseln sind Spitsbergen, Nordaustlandet, Edgeøya, Barentsøya und Kvitøya. Während alle bewohnten Orte auf Spitsbergen liegen, weist Nordaustlandet die drittgrösste Eiskappe Europas auf. Vom 23. April bis zum 23. August herrscht in Longyearbyen die Mitternachtssonne und vom 26. Oktober bis zum 15. Februar die Polarnacht.

Die West- und Südküste ist in der Regel milder und lieblicher als der Norden und der Osten.  Dort wirken die kalten Meeresströmungen aus dem Norden und Osten, während auf der anderen Seite die letzten Ausläufer des Golfstromes für etwas wärmere Temperaturen sorgen. Die Durchschnittstemperatur im Winter liegt bei -12°– -16°C, im Sommer zwischen +1° - +7°C. Doch in den Fjorden können die Temperaturen gerade im Sommer besonders stark variieren und auch zweistellige Plusgrade erreichen. Niederschläge sind immer wieder möglich, meist aber in kurzen, leichten Schauern oder einfachem Nieselregen. Aufgrund des Klimawandels, der in der Arktis besonders heftig wirkt, haben sich aber Wetterextreme verstärkt. 

Svalbard ist hocharktisches Gebiet und die Fauna besteht entsprechend aus Eisbären, Polarfüchsen, einer eigenen Unterart des Rentiers, Walrossen, Bart- und Ringelrobben und Gewöhnlichen Seehunden (im Westen). In den Gewässern rund um den Archipel haben sich wieder Buckelwale, Blauwale, Finnwale, Belugas und auch Weisschnauzendelfine angesiedelt, meist aber nur im Sommer. Besonders reichhaltig ist die Vogelwelt, vor allem im Sommer, wenn die Vögel zum Brüten hoch nach Svalbard fliegen. Von den rund 80 Vogelarten gehören Küstenseeschwalben, Dickschnabellummen, Dreizehenmöwen, Eismöwen, Papageitaucher, Elfenbeinmöwen, Eissturmvögel und Weisswangengänse gehören zu den am häufigsten gesehenen Arten. Das Alpenschneehuhn und die Schneeammer sind ganzjährige Bewohner des Archipels.

Entgegen landläufiger Meinung ist die Pflanzenwelt Svalbards sehr reichhaltig. Mehr als 170 Pflanzenarten verteilen sich auf 2 – 3 Vegetationszonen, abhängig von ihrer Lage. Viele gleiche und verwandte Pflanzenarten finden sich auch in unseren alpinen und hochalpinen Zonen. Zu den am häufigsten angetroffenen Arten zählen Roter Steinbrech, Silberwurz, Stengelloses Leimkraut und der Svalbardmohn. Auch Bäume finden sich, aber in sehr kleiner Form: am häufigsten Polarweide und Zwergbirken. Eine grosse Vielfalt legen auch Moose, Flechten und Pilze an den Tag. Etwa 380 Arten von Moosen, mehr als 700 Arten von Flechten und über 750 Pilzarten sind auf dem Archipel zuhause.

Bis 1920 war Svalbard Niemandsland und es gab auch keine Eingeborenen. Wer tatsächlich Svalbard zuerst entdeckt hat, ist ein noch umstrittenes Thema. Tatsache ist, dass der erste, der darüber nachweislich berichtet hatte, der Holländer Willem Barentz 1596 war. Durch seine Beschreibungen kamen im Laufe der Jahrhunderte zuerst Walfänger aus verschiedenen europäischen Nationen nach Svalbard und hinterliessen eine Fülle von Spuren und Walfangstationen. Gleichzeitig kamen auch Pelzjäger, vor allem aus Russland, und später Glücksritter auf der Suche nach dem schnellen Geld in das rohstoffreiche Gebiet. Doch ausser dem Kohleabbau, der ab 1906 von John Munro Longyear in seinem gegründeten Ort Longyear City (heute Longyearbyen) gestartet und bis 2017 kommerziell betrieben wurde und dem Abbau in Ny Ålesund, Barentsburg und Pyramiden, war keine Unternehmung erfolgreich. Heute wird nur noch in einer Mine ausserhalb Longyearbyens für den Eigenbedarf Kohle abgebaut. Da Svalbard Niemandsland war, durfte man tun und lassen, was man wollte. Ab 1920 wurde mit dem Svalbard-Vertrag dieser Status geändert und ab 1925 übernahm Norwegen die Verwaltung des Archipels. Neben Norwegen hatte noch Russland zwei Kohleminen in Barentsburg (1932) und Pyramiden (1927 von Schweden erworben) am Laufen, von denen die erstere noch in Betrieb ist. Ny Ålesund, wo der Bergbau bereits 1963 nach diversen Grubenunglücken eingestellt worden war, ist seit 1968 fest in wissenschaftlicher Hand und einige Länder betreiben dort ihre Forschungsstationen.

Die Bevölkerung auf Svalbard ist multi-kulturell. Der grösste Bevölkerungsanteil stammt aus Norwegen, Russland, Afrika und Asien. Insgesamt leben 2'939 (2020) auf Svalbard, die meisten von ihnen in Longyearbyen und Barentsburg. In Ny Ålesund sind es in erster Linie Wissenschaftler und technisches Personal für die Ortschaft und die Forschungsstationen. Svalbard ist auch eine relative junge Gemeinde, in der die 20 – 44-jährigen den Hauptanteil ausmachen aufgrund der Arbeitsmöglichkeiten und der Universität. Zahlreiche junge Familien leben in Longyearbyen, wo auch ein Kindergarten und eine Schule betrieben werden. 459 Personen in Longyearbyen sind unter 20 Jahre alt. Svalbard ist zollfrei innerhalb von Norwegen, aber trotzdem teuer, da alles importiert werden muss. Die Hauptwährung sind norwegische Kronen, doch es werden auch Euro und US-Dollar als Zahlungsmittel akzeptiert. Verwaltet wird Svalbard durch einen vom norwegischen Staat bestimmten Gouverneur, welche(r) der Verwaltungsbehörde vorsteht. Die Sysselmannen sind auch für die Rechtsprechung und die Gesetzgebung für den ganzen Archipel zuständig.

Die einzigen Möglichkeiten, Svalbard zu erreichen sind entweder per Schiff oder per Flugzeug. In Longyearbyen liegt auch der einzige Flughafen auf Svalbard, wo regelmässig Flüge ab Oslo und Tromsø oder Charterflüge ankommen. Von hier aus fliegen kleine Maschinen nach Ny Ålesund, während Boote die Orte Barentsburg und Pyramiden bedienen. Strassen gibt es nur innerhalb der Orte und zu den ausserhalb liegenden Minen. Im Winter kann der innere Teil Svalbards mit Schneemobilen und Hundeschlitten erreicht werden, im Sommer sind nur die Küstenregionen erreichbar. Alle Aktivitäten ausserhalb der Ortschaften müssen durch die Sysselmannen genehmigt werden und mit einem Guide oder selbst bewaffnet durchgeführt werden. Immer grössere Bereiche des Archipels werden unter Schutz gestellt und sind daher nicht mehr frei begehbar. Handyempfang ist nur in den Ortschaften und in einem bestimmten Umkreis ausserhalb verfügbar, die restliche Kommunikation läuft über Funk. Longyearbyen besitzt neben einem Supermarkt, einer Bank und Postamt, einer Tankstelle, auch einige Restaurants, Bars, Hotels, Bekleidungs- und Souvenirläden, verschiedene Touranbieter und ein Krankenhaus, eine Universität und mehrere Museen. In Barentsburg findet sich ein Hotel, Restaurant und eine Art Supermarkt. Die Internetverbindung gehört zu den Schnellsten in ganz Norwegen und viele Geschäfte und Hotels bieten kostenfreies WLAN.

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