M/V Cape Race

Die Cape Race

Die “Cape Race” ist ein hochseetaugliches Expeditionsschiff, das 1963, zur Hochzeit des Fischfangs auf dem Atlantik, als allererster Stahltrawler Kanadas gebaut wurde. Ihr Einsatzgebiet waren die Fanggründe des Nordatlantiks, der Neufundlandbank, der Labradorsee sowie die Seegebiete vor ihrem Heimathafen in Nova Scotia, zunächst Louisbourg, später Lunenburg. Ursprünglich dafür gedacht, ganzjährig in den unwirtlichsten Seegebieten der Welt auf Fischfang zu gehen, ist sie so konstruiert, dass man mit ihr bequem und sicher von Pol zu Pol fahren kann; dank des für Eisfahrten verstärkten Rumpfs eignet sie sich ideal für Expeditionen in arktischen Gewässern.

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Baujahr:
1963, als Fischtrawler
Umbau:
2006, 2018/19
Passagiere:
12 in 7 Kabinen
Crew:
7 (& 1-2 Guides)
Länge:
38 Meter
Breite:
7,5 Meter
Tiefgang:
3,8 Meter
Eisklasse:
Eisverstärkter Bug, Propellerschutz
Reichweite:
4000+ Seemeilen
Antrieb:
3512 Caterpillar, 12 Zylinder, 890 kW, Diesel: GTL Fuel Marine
Geschwindigkeit:
Marschfahrt 8 Knoten, max. Fahrt 9,5 Knoten

Gebaut wurde das Schiff auf der Werft George T. Davie & Sons in Quebec im Auftrag der damals größten kanadischen Fischfangreederei, National Sea Products Ltd.
Die meisten Bauteile, gleich ob Rumpf, Maschine oder Ausrüstung, wurden nach Lloyd’s zertifiziert. Zur Zeit ihrer Entstehung bildete die MS „Cape Race“ gemeinsam mit ihren Schwesterschiffen MS „Cape Mira“ und MS „Cape Aspy“ den Stolz der kanadischen Fischfangflotte.

Der Bau der „Cape Race“ wurde von einem bekannten Konstruktionsbüro aus Boston, John W. Gilbert Associates, geplant und überwacht. Das Schiff wurde für den Einsatz auf dem Nordatlantik ausgelegt und zweimal jährlich von der kanadischen Küstenwache auf Herz und Nieren geprüft.

Der erste Kapitän der „Cape Race“ war Orlando Vallis aus Neufundland, der auf der Jungfernfahrt von der Werft in Quebec zum ersten Einsatzort in Nova Scotia nicht nur das Schiff, sondern auch seine junge Verlobte, die sich an Bord befand, durch dichten Nebel sicher nach Hause brachte.

Der Sohn von Kapitän Vallis erinnert sich: „Diese Schiffe wurden hart rangenommen, auch von meinem Vater. Gefischt wurde das ganze Jahr über, im Rhythmus zwei Wochen auf See, zwei Tage an Land. Nur zu Weihnachten wurde eine Pause von etwa einer Woche eingelegt, und im Sommer ging das Schiff für ein paar Wochen für Reparaturarbeiten auf die Werft. Das Leben in einer Stadt wie Louisbourg war von den Fischfabriken und den Trawlern bestimmt, und deren Kommen und Gehen befeuerte die Fantasie junger Burschen wie mich. Die Kapitäne waren für uns in mancherlei Hinsicht Vorbilder, und die Berichte über ihre Erfolge und Misserfolge fanden wir genauso spannend wie andere Jugendliche Baseballspiele oder Ähnliches.“

1977 wurde die „Cape Race“ für den Muschelfang umgebaut, 1994 überholt und mit einem neuen Dieselmotor versehen. Im Jahr 2006 ging sie in den Besitz von Milos Simovic über, der sie in den Folgejahren zu einem Expeditionsschiff konvertierte. Danach unternahm sie mit Gästen, aber auch mit Wissenschaftlern im Auftrag der NASA und der US-Wissenschafts- und Forschungseinrichtung National Science Foundation zahlreiche Expeditionen ins Polarmeer. Zudem diente sie verschiedenen Film- und TV-Projekten.

Im Herbst 2017 erwarb der mareverlag die „Cape Race“. Verleger und Meeresbiologe Nikolaus Gelpke ging es bei der Entscheidung vor allem um den Erhalt und die Zukunftsfähigkeit des Schiffs. Um seinem hohen Anspruch bezüglich des Meeresschutzes gerecht zu werden, wurde die „Cape Race“ 2018/19 auf der traditionsreichen Werft Stálsmiðjan-Framtak in Island generalüberholt: Hier wurde sie unter anderem mit zusätzlichem Brandschutz, komplett neuer Elektrik, Lüftung, Elektronik und Ausrüstung versehen. Zu den Gästebereichen gehören neben den Kabinen ein Salon mit Außensicht, ein gestimmtes Klavier und ein dänischer Bollerofen, ein Esszimmer mit offener Kombüse, eine Sauna, ein geräumiges Achterdeck mit Tisch und Sitzbänken und ein Hauptdeck – beide neu mit traditionellem Holz verlegt –, ein Aussichtsdeck im Bugbereich, eine Bibliothek für Passagiere, eine offene Brückenpolitik sowie Expeditionsausrüstung für Landausflüge in die Arktis (Boote, Schwimmwesten, Immersionsanzüge, Eisbärenschutz, Ferngläser, Teleskope usw.). Möglichkeiten zum Tauchen und Kajakfahren bestehen nach Vereinbarung.

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