Ostgrönland

Ostgrönland

Steckbrief

Steckbrief
Offizieller Name:
Kalaallit Nunaat (Grönland); Tunu (Ostgrönland)
Oberhoheit:
Dänemark, seit 1921; Autonomie seit 1979
Hauptstadt:
Nuuk
Verwaltung:
Selbstverwaltung durch Parlament, ausgenommen Außen- und Verteidigungspolitik
Sprachen:
Kalaallisut (Grönländisch), Dänisch
Bevölkerung:
3'141 Einwohner (Juli 2020) + 31 Personen Besatzung auf Militär-, Forschungs- und Wetterstationen; Grönland gesamt: 56'367 Einwohner
Bewohnte Orte:
Tasiilaq, Ittoqqortoormiit, Kulusuk, Isortoq, Kuuummiut, Sermiligaaq, Tiniteqilaaq
Währung:
Dänische Kronen
Zeitzone:
Ittoqqortoormiit UTC -1 (plus Sommerzeit), Distrikt Ammassalik UTC -3

Grönland, mit einer Fläche von mehr als zwei Millionen Quadratkilometern die größte Insel der Erde, erstreckt sich von 59°N im Nordatlantik bis 83°N im Arktischen Ozean und ist 2.650 Kilometer lang. Die maximale Breite von Nordostrundingen im Osten bis zum Kap Alexander im Westen beträgt 1.200 Kilometer. Das gesamte Inland, ca. 80 Prozent der Insel, ist von einem durchschnittlich 2.000 Meter dicken Eisschild bedeckt. Die Küste Ostgrönlands, im nördlichen Teil von der Grönlandsee und im Süden von der Irmingersee umspült, ist von zahlreichen Buchten, Meerengen und Fjordsystemen zerschnitten, darunter das größte weltweit, der Scoresby Sund bei 70°N. Das sich in Richtung Küste bewegende Inlandeis entlässt häufig große Eisberge in die Meeresarme, die - wenn sie das offene Meer erreichen - mit dem Ostgrönlandstrom nach Süden treiben. Südlich des Scoresby Sunds schließt sich das Watkins Gebirge an mit dem Gunnbjørns Fjeld, dem höchsten Berg der Insel (3.694 Meter). In Richtung Norden erstreckt sich von etwa 70°N der Nordostgrönland-Nationalpark, mit knapp einer Million Quadratkilometer Fläche der größte Nationalpark der Welt.

In ganz Grönland herrscht subpolares bis polares Klima, wobei der Osten dank der katabatischen Winde (Piteraq), die über das gewölbte Inlandeis fegen und so die Tiefdruckgebiete nach Island ablenken, an 300 Tagen pro Jahr mit schönem Wetter verwöhnt wird. In Tasiilaq liegt die Durchschnittstemperatur im Sommer zwischen 5°C und 8°C, im Winter zwischen -4°C und -6°C. Weiter nördlich in Ittoqqortoormiit am Scoresby Sund ist der Sommer mit 4°C bis 7°C nur etwas kühler, der Winter dagegen deutlich mit -11°C bis -14°C. Im Süden gibt es etwas mehr Niederschläge als in der Mitte und im Norden, wobei überall die Monate Mai bis August am trockensten sind. Im Gegensatz zu Westgrönland wird der Osten nicht von Ausläufern des Golfstroms erreicht, sondern vom kalten Ostgrönlandstrom beeinflusst, der aus der Arktis kommt. Daher schmilzt hier das Meereis langsamer als vor der Westküste. Der Klimawandel ist in ganz Grönland deutlich spürbar - das Meereis ist wesentlich dünner, die Gletscher kalben häufiger und dort wo vor wenigen Jahren noch Eis das Land bedeckte, wachsen heute Blumen und Gräser.

Im Vergleich zu Spitzbergen ist die Tierwelt Grönlands artenreicher. Neben Eisbären, Polarfüchsen und Rentieren ist die Insel auch Heimat von Moschusochsen, Polarhasen, Polarwölfen, Hermelinen und Lemmingen, wobei die drei letztgenannten nur in Nordostgrönland leben. Die nährstoffreichen Küstengewässer locken zudem zahlreiche marine Säugetiere an wie Zwergwal, Buckelwal, Beluga, Orca, Narwal, Grönlandwal sowie verschiedene Robbenarten, darunter Klappmütze, Sattelrobbe, Bartrobbe und Ringelrobbe. Die Vogelwelt ist mit etwa 200 Arten ebenfalls sehr reichhaltig, 50 von ihnen bleiben sogar das ganze Jahr über. Zu den häufigsten zählen Kolkrabe, Gryllteiste, Dreizehenmöwe, Schneeammer, Eiderente, Eistaucher, Odinshühnchen und Alpenschneehuhn. Seevögel wie Dickschnabellummen, Krabbentaucher und Papageitaucher nisten vor allem an den Vogelfelsen, auch in der Nähe von Ittoqqortoormiit (Upernavik, Qaanaaq). Räuberische Arten wie Gerfalke, Falkenraubmöwe und Schmarotzerraubmöwe (Seeadler, Wanderfalke, Spatelraubmöwe) besiedeln teils ausgedehnte Gebiete an der Küste. Die Schneeeule lebt vor allem in Nordostgrönland. Zu den auf Grönland brütenden Singvögeln gehören Birkenzeisige, Steinschmätzer und Schneeammern.

Die Pflanzenwelt Grönlands ist angesichts der sub-/polaren Lage außergewöhnlich artenreich. Neben fast 600 Arten an Samenpflanzen, die fast ausschließlich in den Küstenregionen südlich von 70°N wachsen und von denen 13 endemisch sind, kommen auch über 3000 Arten von Moosen, Flechten, Pilzen und Algen vor. Die Pflanzen sind allerdings fast ausschließlich von kleinem Wuchs, nur in geschützten Fjorden im Süden wachsen Birken und Weiden zu Bäumen heran. Immerhin zwei Quadratkilometer Grönlands sind bewaldet. In ganz Grönland unterscheidet man vier Vegetationszonen, wobei in Ostgrönland nur die hocharktische und die niederarktische Tundra zu finden sind. Nördlich von etwa 70°N erstreckt sich die Hocharktis, deren eisfreie Gebiete von Moosen und Flechten dominiert werden. Die wenigen Samenpflanzen wachsen hauptsächlich direkt an der Küste. In der niederarktischen Tundra südlich von 70°N dominiert Zwergstrauchheide das Landschaftsbild mit Weidenröschen, Wollgras, verschiedenen Beeren und Gräsern sowie flach wachsenden Birken und Weiden.

An der Ostküste Grönlands lebten vermutlich schon vor etwa 4000 Jahren Paläoeskimos der Saqqaq-Kultur, Vorfahren der heutigen Ostgrönländer (Tunumiit), die, je nach Quelle, über die Nordküste oder von der Westküste über den Süden nach Ostgrönland kamen. Besiedlung durch die Wikinger und durch die Thule- und Dorset-Eskimos von Norden her spielte sich offenbar ausschließlich an der Westküste ab, sodass die Bewohner Ostgrönlands über Tausende Jahre isoliert lebten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts führten die Tunumiit ihre traditionelle, nomadische Lebensweise und ernährten sich von den natürlichen Ressourcen, die Meer und Land ihnen boten. Der erste westliche Entdecker war wahrscheinlich William Scoresby, der 1822 das später nach ihm benannte größte Fjordsystem der Erde, den Scoresby Sund, kartierte. Nach ihm folgten zahlreiche Polarforscher, darunter Adolf Erik Nordenskiöld, Carl Koldewey und Adrian de Gerlache, die die Ostküste im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erforschten. Die Besitzansprüche auf Grönland waren lange unklar. Norwegen nutzte die Gewässer vor Ostgrönland als Fischfanggebiete und beanspruchte die unbesiedelten Regionen für sich. Dänemark forderte jedoch von anderen Staaten die Anerkennung der Souveränität über die gesamte Insel ein und bekam diese 1921 gewährt, jedoch nicht von Norwegen. Während des Zweiten Weltkriegs richtete die US-Armee mehrere Luftstützpunkte ein, von denen in Ostgrönland heute nur noch der nun zivile Flughafen in Kulusuk existiert. Erst 1963 wurde Ostgrönland dekolonialisiert und voll in die grönländischen Verwaltungsstrukturen eingegliedert.

Die Ostgrönländer blieben dank der geografischen Lage und der klimatischen Verhältnisse lange unbeeinflusst von der europäischen Kultur. Zu ihrer traditionellen Lebensweise gehörte die Jagd auf Land- und Meeressäuger ebenso wie der Trommeltanz und die Schnitzkunst aus Tierknochen und -zähnen.
In den beiden ostgrönländischen Distrikten Ammassalik und Ittoqqortoormiit leben heute etwa 3300 Menschen — Tendenz abnehmend, da viele junge Grönländer nach dem Studium in Dänemark nicht mehr zurückkehren. Etwa 90% der grönländischen Gesamtbevölkerung ist in Grönland geboren. Der Ausländeranteil liegt bei 2,2%, von denen fast die Hälfte Arbeitsmigranten aus Thailand und den Philippinen sind. Die anderen Ausländer kommen aus über 40 verschiedenen Ländern. Im weniger entwickelten Osten ist der Anteil anderer Nationalitäten jedoch deutlich geringer. Das wirtschaftliche Zentrum Ostgrönlands ist die Kleinstadt Tasiilaq, die Verwaltungssitz für Ostgrönland ist und in der etwa 2000 Menschen zwischen Moderne und Traditionen leben. Hier und in Ittoqqortoormiit arbeitet ein Großteil der Bevölkerung in der Verwaltung, manche im Tourismus. In den Dörfern ist das Leben sehr viel traditioneller, wo viele Menschen direkt von der Jagd auf Wale und Eisbären abhängen, auch durch den Handel mit daraus gefertigten Produkten.

Die Transportmöglichkeiten in Grönland sind sehr vielfältig, der Straßenverkehr spielt dabei besonders in Ostgrönland allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Straßenverbindungen zwischen den Siedlungen existieren nämlich nicht, nur innerhalb der Ortschaften und Siedlungen gibt es, meist unbefestigte, Straßen und Wege. Daher kommen dem Schiffs- und Luftverkehr eine besondere Bedeutung zu, vor allem im Sommer, wenn Schnee und Eis dies zulassen. In Ostgrönland gibt es zwei internationale Flugplätze: in Kulusuk nahe Tasiilaq und in der Nähe von Ittoqqortoormiit, die regelmäßig von Island aus angesteuert werden. Hinzu kommen mehrere Heliports. Praktisch die gesamte Versorgung mit Lebensmitteln, Möbeln, Fahrzeugen und Dingen des täglichen Bedarfs erfolgt jedoch per Schiff und so verfügt fast jede Siedlung über einen Hafen oder zumindest eine Anlegestelle. Regelmäßige Fährverbindungen wie in Westgrönland gibt es allerdings nicht. Viele Grönländer besitzen daher privat kleine Sportboote. Im Winter steigen die Grönländer vom Boot auf Schneemobile und Hundeschlitten um. Für primäre Bildung gibt es in jedem Ort eine Volksschule, eine weiterführende und berufsbildende Schule gibt es in Ostgrönland nur in Tasiilaq. Außerdem gibt es auch einen Supermarkt, eine Bäckerei, ein Internetcafé, einen Buchladen, eine Postfiliale, ein Tourismusbüro und ein Hotel.

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